King of Men bringt seit Jahren afrikanische Musik in europäische Räume – als Künstler auf der Bühne, als jemand, der den Abend zusammenbaut, und als der Mann, der entscheidet, wie der Raum aussieht, wenn das Licht ausgeht. Ein Gespräch über Verpackung, Risiko und die Frage, woher das Singen kam.
In jedem Gespräch mit King of Men gibt es einen Moment, in dem das Thema leise kippt. Man fragt ihn nach einer Leistung – Eventorganisation, Künstlerpromotion, Deko – und er antwortet mit einem Gefühl. Nicht mit der Rechnung. Mit dem Gefühl im Raum um elf Uhr nachts, wenn es läuft.
„Bei einer Show geht es nicht nur um den Künstler“, sagt er. „Es geht um die Verpackung.“
Dieses Wort muss bei ihm viel leisten. Verpackung heißt nicht Flyer. Verpackung ist alles rund um die vier Minuten, in denen ein Künstler tatsächlich singt: wer den Abend angekündigt hat und wie laut, wie das Plakat aussah, welche anderen Promoter mit ins Boot geholt wurden, wie der Saal hergerichtet war, wer zwischen den Sets am Mikro steht und – darauf kommt er immer wieder zurück – was der Host trägt.
„Das Outfit muss klassisch sein“, sagt er. „Wenn man Leute anlocken will, zieht man sich was Tailliertes an, was Model-mäßiges. Kann glitzern, kann elegant sein, wie man will. Es ist klassisch.“
Für einen Mann, der von Events lebt, ist das keine Eitelkeit. Es ist eine Arbeitstheorie darüber, warum Leute kommen und warum sie bleiben. Er beschreibt ein Geschäft, in dem das Produkt kein Auftritt ist, sondern ein Abend. Und ein Abend hat entweder Gewicht oder eben nicht.
Der Raum ist das Produkt
Solomon Abiodun – für die meisten, die ihn kennen, einfach Johnny, auf dem Plakat King of Men – lebt in München und wurde in Nigeria geboren. Seine Firma Klassikolmusik Entertainment ist in Deutschland und in Nigeria registriert. Meistens arbeitet er für die, die einen Abend ausrichten: Locations, Clubs, Communitys, private Gastgeber:innen. Er bucht die Künstler:innen, gestaltet den Raum, plant das Programm und macht die Werbung. Veranstalter im rechtlichen Sinn bleibt dabei, wer den Abend ausrichtet. Manchmal stellt er auch einen eigenen Abend auf die Beine. Dann ist er selbst der Veranstalter und kümmert sich um alles, was dazugehört, vom Papierkram bis zur Versicherung. Er tritt auf. Er bucht. Er macht Promotion. Und, für einen Musiker weniger naheliegend: Er gestaltet die Räume.
Fragt man ihn, was ein Abend braucht, kommt eine Liste, schnell, als würde er sie vom Aufbauplan ablesen:
„Deko. Licht. Guter Sound. Guter DJ. Guter Hype Man. Gute MCs. Comedians auch – die können die Leute wachmachen, ein bisschen übertreiben, den Raum in Gang bringen.“
Die Comedians verraten alles. Ein Promoter, der nur an den Headliner denkt, plant kein Geld für einen Comedian ein. Einer, der an die neunzig Minuten vor dem Headliner denkt, schon. Er weiß ungewöhnlich genau: In den Lücken eines Abends gehen Abende verloren.
„Wenn man das nicht macht – wenn man nicht dafür sorgt, dass die Leute glücklich sind, dass sie denken: Oh, das ist eine Show –, dann macht man keine Show. Die Leute gehen nach Hause. Hier ist nichts passiert. Also, eine Show ist eine Show. Da muss man eine Show draus machen. Das fängt damit an, wie man sich anzieht. Das fängt damit an, wie man in dem Moment mit den Leuten redet. Drama machen. Den Laden aufmischen.“
Diese Haltung würde auch in die Gastronomie oder ins Theater passen. Sie klingt viel eher nach guten Festivalmacher:innen als nach den meisten unabhängigen Künstler:innen. Die meisten verkaufen den Song. Er verkauft den Abend, in dem der Song passiert.

Wo das Geld wirklich liegt
Er sagt auch erfrischend offen, wie das Geld fließt. In der Livemusik kommt das seltener vor, als es sollte.
Wenn es sein eigener Abend ist, ist das Prinzip, so wie er es erzählt, einfach und unromantisch. Er holt einen Künstler her. Er organisiert die Show. Er bezahlt den Künstler. Er kümmert sich um die Werbung. Die Gäste zahlen, um den Künstler zu sehen, den er geholt hat. Davon begleicht er, was offen ist.
„Ich bezahle den Künstler“, sagt er. „Wenn ich ihn vorher nicht ganz bezahlt hab, wenn ich ihm noch was schulde, dann nehm ich das von dem, was am Ende der Party reinkommt, und rechne alles ab. Dann hab ich meinen Gewinn.“
Und dann die Bar. Er erwähnt die Bar so, wie ein Koch das Salz erwähnt: als das, was still dafür sorgt, dass der ganze Teller funktioniert.
„Wenn die Leute gut drauf sind, kaufen sie viele Drinks. Das glaubt man gar nicht. Mit diesen Drinks verdient man Geld.“
Damit verbindet er Ästhetik und Buchhaltung auf eine Art, die viele Promoter nie aussprechen. Licht, Deko, Hype Man, Comedian: Im Budget sind das keine Schmuckposten. Sie halten die Leute an der Bar, statt sie um halb zwölf Richtung Garderobe driften zu lassen. Wer in den Raum investiert, bekommt es vom Raum zurück.
Dann sagt er den Satz, der Leute, die wirklich Events gemacht haben, von denen trennt, die es sich nur vorgestellt haben.
„Manchmal verliert man. Manchmal gewinnt man. Darauf muss man gefasst sein. Man muss mit Enttäuschungen rechnen.“
Er sagt das nicht schwer. Er sagt es so, wie man etwas sagt, wofür man schon bezahlt hat, mehr als einmal, und womit man seinen Frieden gemacht hat.
„Wir haben uns in Chören gefunden“
Die Musik kam zuerst. Und sie kam von zu Hause.
„Die meisten in meiner Familie sind Musiker“, sagt er. „Männer und Frauen. Alle talentiert. So sind wir einfach gesegnet. Die meisten von uns haben diese Musik nirgendwo gelernt. Wir haben uns in Chören gefunden, in Kirchen. Wir haben für Gott gesungen. Das ist die Musik, die wir heute machen.“
Bei diesem Satz lohnt es sich, kurz zu bleiben, denn er erklärt viel darüber, wie er arbeitet. Er kommt nicht aus einem Labelsystem, einem Konservatorium oder einer Managementstruktur. Er kommt aus einer Tradition, in der Musik von vornherein Gemeinschaftssache ist. Es geht nicht darum, vor der Gruppe herauszustechen, sondern die Gruppe zusammenzuhalten. Niemand hat eine Solokarriere, und alle singen.
Dieser Instinkt steckt heute überall in seiner Arbeit. Seine Band hat kein festes Line-up, sondern ist eine wechselnde Gruppe von Musiker:innen, die je nach Abend und Booking dazukommen. Andere Künstler:innen nehmen ihn in ihre Songs auf – er erwähnt es fast nebenbei, als eine Art Dank. „Die singen von mir in ihren Liedern, einfach als Dank für das, was ich für sie gemacht hab.“
Unter eigenem Namen gibt es einen kleinen Katalog, darunter einen Track namens „King of Men Salute“, aufgenommen mit Features und einem Produzenten, erschienen Ende 2023. Er sagt offen, dass Aufnahmen gerade nicht sein Schwerpunkt sind. Die Energie fließt in die Band, die Liveshows und die Künstler:innen, die er voranbringt.
„Die Musik ist ein Teil von mir“, sagt er. „Ein Teil meiner Familie.“

An beiden Ufern des Flusses
Das kommerziell Interessanteste an King of Men ist keine einzelne Leistung. Es ist die Geografie.
„Ich mach das nicht nur in Nigeria, wo ich herkomme“, sagt er. „Ich mach das da, wo ich jetzt lebe, in Deutschland. Und darüber hinaus, in ganz Europa. Ich war schon an vielen Orten. Paris. Italien – Neapel.“
Genau das ist schwer zu kopieren. In München können viele einen Abend buchen. In Lagos oder Benin City können viele Talente finden. Sehr wenige stehen an beiden Ufern zugleich: mit einer eingetragenen Firma in Deutschland, echten Beziehungen in Nigeria und genug Erfahrung, um zu wissen, was ein Künstler wirklich braucht, wenn er in einer Stadt landet, in der noch niemand sein Gesicht kennt.
Sein Angebot an Künstler:innen folgt direkt daraus.
„Die Leute wissen vielleicht nicht, dass man das kann“, sagt er. „Wenn man berühmt werden will, bekannt werden will – dann muss man sein Talent rausbringen. Zeigen, was man hat.“
Also holt er sie. Bei seinen eigenen Abenden organisiert er die Show, zahlt die Gage, macht die Werbung, verkauft die Tickets und trägt das Risiko. Richtet eine Location den Abend aus, liefert er ihr dasselbe Paket: die Künstler:innen, den Raum, die Werbung. So oder so bekommen die Künstler:innen eine Bühne, ein Publikum und einen Raum, der so gebaut ist, dass sie darin aussehen, als gehörten sie genau dorthin. Für alle, die zum ersten Mal nach Europa kommen, ist das keine Kleinigkeit. Es ist fast alles.
Er sagt auch unverblümt, dass das auf Dauer ein Geschäft der Zahlen ist, kein Jackpot-Geschäft. Manche Abende tragen die, die nicht funktioniert haben. Man macht weiter, weil der nächste vielleicht der ist, der eine Karriere in Bewegung bringt.
Der Älteste im Raum
Über Konkurrenz redet er nicht. In einem Genre, das vom Angeben lebt, ist das so ungewöhnlich, dass es sofort auffällt.
Nichts im Gespräch zielt auf andere. Kein rivalisierender Promoter, keine Szenepolitik, keine Klage darüber, wer statt ihm gebucht wurde. Stattdessen zieht sich eine Grundannahme durch: Der Erfolg anderer geht nicht von seinem ab. Wenn man jemanden herholt und der gut ankommt, ist der Job erledigt – und keine Chance verpasst.
Das wirkt wie ein älterer Instinkt, wahrscheinlich einer aus der Kirche: die Gruppe vor dem Solisten. Es ist nebenbei auch gutes Geschäft. Die Künstler:innen, die er herholt, sind die, die ihn am ehesten weiterempfehlen. Und in einem Geschäft, das fast nur über Vertrauen und Telefonate läuft, ist das die einzige Werbung, die sich verlässlich auszahlt.
Gegen Ende bricht er lachend ab. Er weiß, er könnte ewig weitermachen.
„Wir können nicht alles sagen“, sagt er. „Wenn wir alles sagen, sitzen wir für immer hier.“
Und das ist auf seine Art genau der richtige Instinkt für einen Mann, dessen ganzes Handwerk darin besteht, zu wissen, wann ein Raum genug hat – und wann das Licht wieder angehen muss.
King of Men ist Solomon Abiodun, Künstler aus Nigeria mit Sitz in München. Über Klassikolmusik Entertainment tritt er mit einer wechselnden Band auf, plant und gestaltet Abende mit afrikanischer Musik für Locations und Gastgeber:innen in ganz Europa, richtet manche Abende selbst aus und bringt Künstler:innen aus Afrika auf europäische Bühnen.